BNE-Journal: Editorial

BNE-Journal

Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"



Editorial

BildanfangEditorial_NetzelWerner Netzel Deutscher Sparkassen- und GiroverbandBildende

In Zusammenhang mit der Finanzkrise und der aktuellen Euro-Krise ist das Thema "Geld" mehr im Fokus der Öffentlichkeit als je zuvor. Geld und insbesondere die Gier nach Geld wird als Krisenverursacher und Krisentreiber wahrgenommen.

Die Verursacher und die willigen Helfer der Finanz- und Wirtschaftskrise, die "Kasino-Kapitalisten", haben in gröbster Weise gegen das Nachhaltigkeits-Prinzip verstoßen, dass man von den Zinsen des Kapitals leben soll und nicht von der Substanz selbst. Sie haben Vermögen, und was noch schlimmer sein mag, Vertrauen vernichtet. Die Folgen tragen wir alle.

Vertrauen und Vermögen müssen auf Dauer zurückgewonnen werden. Gefragt sind sowohl die Politik als auch die Akteure an den Finanzmärkten selbst. Die Finanzmärkte brauchen effektive Leitplanken, um ihre ökonomischen Vorteile in der Allokation von Ressourcen ausspielen zu können. Spekulative Geschäfte müssen erschwert werden, z.B. durch höhere Eigenkapitalquoten für Banken nach dem Risikogehalt ihrer Finanzgeschäfte und durch eine Finanztransaktionssteuer anstelle einer Bankenabgabe. Bei der Regulierung der Finanzmärkte muss allerdings an allen wichtigen Finanzplätzen international koordiniert gehandelt werden, um Regulierungsarbitrage zulasten gut überwachter Finanzstandorte zu verhindern. Ein ökonomisch auf Dauer stabiler Finanzmarkt braucht ferner Marktteilnehmer, die innerhalb des ihnen gezogenen Rahmens ethisch verantwortungsvoll handeln und die nicht versuchen, die Regeln eines "ehrbaren Kaufmanns" zu unterlaufen. Die Markteilnehmer, und das gilt für Anbieter wie ihre Kunden, müssen zu diesem Handeln befähigt sein und die langfristigen Konsequenzen ihrer ökonomischen Entscheidungen bewerten können.

Deutlich tritt ins Bewusstsein, dass finanzielle Entscheidungen höchst komplex sind und die Urteilsfähigkeit zu Entwicklungen an den Finanzmärkten - sei es auf der Mikro- oder auf der Makroebene - einer soliden Grundlage bedarf. Damit erhalten ökonomische Aspekte des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung mehr Gewicht - auch in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei den privaten Haushalten. Wegen der noch vorhandenen Lücken in den ökonomischen Kenntnissen und angesichts der hohen  Zahl der Überschuldungsfälle ist es geboten, private Haushalte besser zu befähigen, mit den Finanzen sorgsam umzugehen. Die Schlüssel hierzu sind Motivation und bessere Bildung. Deshalb halte ich es für sehr verdienstvoll, dass die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung das Thema "Geld" dieses Jahr in den Vordergrund der Aktivitäten rückt.

Die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt seit vielen Jahren finanzielle Bildung als wesentlichen Baustein einer auf Nachhaltigkeit angelegten Lebensplanung. Dies folgt der Philosophie, dass finanzielle Bildung und wirtschaftliche Kompetenzen die Grundlagen für eine nachhaltige Lebensplanung bilden, bei der auch die Interessen zukünftiger Generationen berücksichtigt werden müssen. Damit zählt die Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung zu den zentralen gemeinwohlorientierten Aufgaben der Sparkassen-Finanzgruppe.

Ich freue mich deshalb, dass das BNE-Online-Journal sich in vielen Facetten mit dem Thema "Geld" beschäftigt. Durch den unterschiedlichen Erfahrungshorizont der Autoren wird es auch unterschiedliche Einschätzungen der zugrundeliegenden Sachverhalte geben. Dies liegt in der Natur der Sache. Es ist ein Zeichen intensiver Diskussion und des Ringens um die beste Lösung.

Werner Netzel
Geschäftsführendes Mitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes


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