BNE-Journal: Jan Wohland, Jugendbündnis Zukunftsenergie: "Die größten Veränderungen stehen uns noch bevor"

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Jan Wohland, Jugendbündnis Zukunftsenergie: "Die größten Veränderungen stehen uns noch bevor"

BildanfangInterview_Jan WohlandJan Wohland © privatBildende

Jan Wohland ist 20 Jahre alt und hat am Maria-Wächtler Gymnasium in Essen sein Abitur gemacht. Zurzeit ist er Teilnehmer am Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) bei nexus – Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung. Jan Wohland war als Mitglied einer Jugenddelegation auf dem Klimagipfel in Kopenhagen. Die Delegation hat das Jugendbündnis Zukunftsenergie entsandt. Das ist ein bundesweiter Zusammenschluss verschiedener Jugend-Umweltverbände und Akteur der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung".

Was tut ihr vom Jugendbündnis, um den Klimawandel zu stoppen? Findet ihr, dass die Politik genug macht?

Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, Bewusstsein für das Problem Klimawandel und seine Ursache zu schaffen und aufzuzeigen, was wir tun können, um den Klimawandel einzudämmen. Weil wir selber Jugendliche sind, richten wir uns dabei vor allem an die junge Generation und fordern zu energiesparendem und umweltbewusstem Verhalten auf. Für die Konferenz in Kopenhagen haben wir einen Blog eingerichtet und durch Interviews in Zeitungen auf uns aufmerksam gemacht. Auf unserer Homepage können junge Menschen deutlich machen, dass sie sich für die Themen Energie und Klimaschutz interessieren. Jeder Einzelne trägt Verantwortung für das Klima, aber uns ist eine weitere Botschaft sehr wichtig: Die Politik steht in der Verantwortung, die Regeln richtig zu bestimmen. Trotz verhältnismäßig ambitionierter Pläne kann auch Deutschland nicht mehr von sich behaupten, eine echte Vorreiterrolle einzunehmen. Das desaströse Ergebnis von Kopenhagen beweist, dass hier entschieden zu wenig passiert. 

Denkt ihr, dass eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sinnvoll ist?

Ja, aber dann auch richtig. Zunächst einmal sind wir überzeugt, dass Kinder und Jugendliche generell stärker beteiligt werden sollen. Wer früh lernt, das Engagement etwas bewirken kann, wird auch später Interesse an politischen Prozessen haben. Das ist für eine Demokratie unerlässlich und aus unserer Sicht die beste politische Bildung.
Bezogen auf den Klimawandel steht die junge Generation vor den größten Bedrohungen. Bei ihr geht es um ihre eigenen Lebensbedingungen, um die Frage, wie die Welt aussehen soll, in der sie leben will. Denn die stärksten Veränderungen stehen uns noch bevor. Aus diesem Grund haben Kinder und Jugendliche das größte  Eigeninteresse, sich für eine Begrenzung des Klimawandels zu engagieren.
Außerdem sind junge Menschen weniger abhängig, etwa von komplizierten politischen Interessen, und äußern sich daher oft freier, deshalb hat die Stimme der Jugend einen besonderen Wert. 

Wurde an eurer Schule oder Universität nach den Prinzipien von BNE unterrichtet?

Auf dem Dach meiner Schule stehen Solarzellen und im Sozialwissenschaftsunterricht wurde das Kyoto-Protokoll besprochen. Auch in anderen Fächern ergaben sich häufig Bezüge zu nachhaltigem Verhalten, wie etwa zu einem sparsamen Wasser- und Energieverbrauch. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass das Aufgreifen dieser Themen eher dem Engagement des einzelnen Lehrers als einer einheitlichen Planung entsprang. Womöglich besteht hier Nachholbedarf bei der Institutionalisierung von BNE

Wieso ist es wichtig, dass BNE in den Bildungssektor integriert wird?

Weil es Teil jeder Sozialisation sein sollte, Kompetenzen zu erlernen, um die eigene Lebensgrundlage schützen zu können. Aus unserer Sicht gehört es zum Bildungsauftrag der Schule, dies unabhängig vom Elternhaus sicherzustellen. Denn leider ist das Wissen, wie dringend notwenig klimaschonendes Verhalten ist, noch nicht bei jedem angekommen. Das Bildungssystem ist verpflichtet, eine Vorreiterrolle einzunehmen, über die Fakten aufzuklären und Schülern ihre Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Schlimme Nachrichten alleine retten die Welt nicht. Für die notwendigen Veränderungen braucht es Bildung. Neben schulischen Angeboten spielen freie und selbstbestimmte Formen, z.B. in Jugend-Umwelt-Verbänden, eine bedeutende Rolle.

Was haltet ihr vom Jugendklimagipfel im Vorfeld des Klimagipfels in Kopenhagen?

Die Jugendgipfel vor den Klimakonferenzen sind absolut notwendig. Sie bieten eine Basis dafür, dass sich die engagierten Vertreter der Jugend untereinander vernetzen können. Die Teilnehmer gründen Arbeitskreise und arbeiten gemeinsame Positionen aus. Nur so ist es möglich, auf den Gipfeln gemeinsam Präsenz zu zeigen und auf die Belange der Jugend hinzuweisen. Letzten Endes profitieren davon alle, da über unsere gesammelten Aktivitäten der Druck auf die Entscheidungsträger wächst.
Sollte sich allerdings herausstellen, dass der Ausschluss der Öffentlichkeit auf den nächsten Klimakonferenzen ähnlich forciert wird, wie es in Kopenhagen der Fall war, verlieren auch die Jugendgipfel ihre Legitimationsgrundlage. Im Laufe des Klimagipfels wurde immer mehr Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) der Zugang verwährt, bis am Ende nur noch ein kleiner Kreis teilnehmen durfte. Es macht wenig Sinn, sich auf eine Veranstaltung vorzubereiten, zu der man keinen Zugang bekommt.
Dann würden nur noch Jugendklimagipfel mit einer anderen Zielsetzung Sinn machen, so wie die "Stop fear - start action“- Jugendkonferenz der Naturschutzjugend (NAJU) im Vorfeld von Kopenhagen. Dort ist der Erfahrungsaustausch wichtig, außerdem motiviert vor allem der persönliche Kontakt dazu, sich aktiv für das Klima zu engagieren. Im Endeffekt gewinnt über die Jugendarbeit die gesamte Klimabewegung an Stärke. Dies gilt nicht nur generell, sondern speziell für die NGOs, für deren Strukturen eine aktive nachrückende Generation notwendig ist.

Zur Homepage vom Jugendbündnis Zukunftsenergie


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