Editorial
Roland BerneckerBildende
Bonner Erklärung – und jetzt? Unter diesem Titel steht das aktuelle BNE-Journal, das Internetjournal der Deutschen UNESCO-Kommission zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die Bonner Erklärung wurde im April 2009 als Abschlussdokument der UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung von 900 Teilnehmern im Konsens verabschiedet.
"Bildung für nachhaltige Entwicklung gibt eine neue Richtung für das Lernen und die Bildung aller Menschen vor", heißt es darin. Dieser Anspruch kann als Leitsatz über der zweiten Hälfte der UN-Dekade stehen, während der das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) weltweit stärker in Bildungssystemen und Köpfen verankert werden muss.
Analysen und Praxisbeispiele
In dieser Ausgabe des Journals beleuchten Autoren die Ergebnisse der Weltkonferenz aus unterschiedlichen Perspektiven und stellen heraus, was geschehen sollte, um den Anspruch der Abschlusserklärung einzulösen und die Zeit bis 2014 sinnvoll für die Ziele der UN-Dekade zu nutzen. Projektbeispiele aus aller Welt illustrieren anschaulich, wie das Prinzip "Nachhaltigkeit lernen" in der Praxis funktioniert – und dass es neben dem Gewinn an Wissen und Kompetenzen auch Spaß bringt.
Young ESD Voices
Einige der Beiträge dieser Ausgabe kommen von Vertretern der "Young ESD Voices". Diese Gruppe junger BNE-Experten aus aller Welt hat sich bei der Bonner Weltkonferenz auf Initiative der Veranstalter zusammengefunden. Ihr Netzwerk arbeitet international daran mit, den Stimmen junger Menschen bei der Umsetzung der BNE Gehör zu verschaffen. Aktive Teilhabe ist ein Kerngedanke von BNE. Deshalb ist es essenziell, dass gerade junge Menschen eine wichtige Rolle im Dekade-Prozess spielen.
Die Bonner Erklärung
Die Bonner Erklärung ist ein substanzielles Dokument geworden. Klar benennt sie die großen globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, und verdeutlicht den zentralen Beitrag, den Bildung für nachhaltige Entwicklung zu deren Lösung leisten kann. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird dabei als ein umfassendes Konzept verstanden, das den Erwerb der Werte, Kompetenzen, Fertigkeiten und Kenntnisse ermöglicht, die für die Gestaltung einer menschlichen Zukunft erforderlich sind.
Konkrete Forderungen
In einem "Call for Action" benennt die Bonner Erklärung konkret, was in den nächsten Jahren zur Durchsetzung dieses Bildungskonzeptes national und international zu tun ist: "Die nationalen Regierungen müssen das Leitbild der Nachhaltigkeit in die Lehrer-Ausbildung, Schulbücher und Lehrpläne integrieren. Junge Menschen sollen bei der Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung ein Recht auf Mitsprache haben. Der Klimawandel muss stärker mit Bildungsmaßnahmen bekämpft werden. Die Medien sollen das Thema Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit noch sichtbarer machen." Und weiter: "Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, welche Auswirkungen ein Handeln hat, das an kurzfristigen Interessen orientiert ist", so in der Erklärung. "Bildung für nachhaltige Entwicklung ist entscheidend, um ein neues ökonomisches Paradigma zu entwickeln."
Hochgesteckte Ziele
Die Ziele sind hoch gesteckt. Zu Recht, denn es geht nicht nur um die Zukunftsfähigkeit unserer Bildungssysteme. Es geht vielmehr darum, unseren Kindern und Enkelkindern das Rüstzeug an die Hand zu geben, das sie benötigen, um ihr Leben und das nachfolgender Generationen bewusst zu gestalten. Dazu gehört auch, Chancen auf wirtschaftlichen Wohlstand, eine intakte Umwelt und eine funktionierende Gesellschaft weltweit gerechter zu verteilen.
Die Bonner Erklärung ist ein guter Text. Jetzt kommt es darauf an, dass er Wirkung entfaltet.
Roland Bernecker
Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission
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