BNE-Journal: Praxisbeispiele bei der Weltkonferenz

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BNE-Journal

Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Praxisbeispiele bei der Weltkonferenz

BildanfangWorkshop auf dem Forschungsschiff MS BurgundWorkshop auf dem Forschungsschiff MS Burgund © DUK/ DanetzkiBildende

Die Ideen der Bildung für nachhaltige Entwicklung müssen in der Praxis ankommen – wie das funktionieren kann, erlebten die Teilnehmer der UNESCO-Weltkonferenz 2009 in 14 Workshops in Bonn und Umgebung. Rund 40 Projekte und Akteure der UN-Dekade präsentierten sich.  Die Teilnehmer konnten mitmachen, ausprobieren und sich über die praktische Umsetzung von BNE austauschen.

Mit dem Hometrainer strampeln, bis der Strom für fünf Minuten Computerbetrieb erzeugt ist. Erfahren, was nachhaltige Ernährung heißt, und das Essen dann auch gleich probieren. Einmal der Kapitän eines Schiffes auf dem Rhein sein und Gewässerproben nehmen.  Oder doch lieber im Nasengarten Pflanzen an ihrem Geruch erkennen? Das sind nur einige der ganz persönlichen Erlebnisse mit Bildung für nachhaltige Entwicklung, die zahlreiche Besucher der Workshops mit nach Hause nahmen. Auch zehn Bildungsminister aus den Teilnehmerstaaten nutzen die Gelegenheit, sich ein Bild von Good-Practice-Beispielen der BNE zu machen.

Austausch über Konzepte und Strategien

Neben den unmittelbaren Eindrücken praktischer Arbeit erfuhren sie, welche pädagogischen Konzepte die Projektorganisatoren verfolgen. In den Diskussionen und Gesprächsrunden ging es auch darum, wie die vorgestellten Projekte weiterentwickelt werden oder in anderen Ländern umgesetzt werden können.

BildanfangTeilnehmer in einem SolarautoTeilnehmer in einem Solarauto © SolarNetBildende

Anregungen für die eigene Arbeit

"Alle waren sehr engagiert und ich habe viele Ideen und Anregungen mitgenommen. So werde ich auf jeden Fall Vorbilder anderer Projekte in das Aalener Zentrum junger Forscher integrieren", so Professor Ulrich Holzbaur von der Universität Aachen. Holzbauer stellte selbst Projekte vor, die auf großes Interesse der internationalen Gäste stießen. So entstanden Kontakte  zu Delegierten aus Japan und Israel. Sie wollen möglicherweise das Projekt "Der grüne Aal" für ihre Länder adaptieren.  Der grüne Aal ist ein Zertifikat für Schulen, die ein Umweltmanagementsystem einführen, Umweltschutzmaßnahmen durchführen und eine Umwelterklärung über ihre Tätigkeiten, Projekte und Ziele erstellen. Ein Team aus Stadtverwaltung, einer externen Schule und der Hochschule für Technik und Wirtschaft prüft die Anträge und vergibt das Zertifikat. Experten aus Afrika und Asien wollen außerdem mit der Hochschule und anderen deutschen Akteuren kooperieren, um das Planspiel "Micro-Eco-Nomy" zu übernehmen, das unter Regie Holzbaurs entwickelt wurde.

Tolle Atmosphäre, große Motivation

Viele solcher internationalen Kontakte knüpfte auch Birgit Eschenlohr vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND): Sie präsentierte in Finkens Garten, einem Umweltbildungszentrum in Köln, die Weltgarten-Idee. In nur einem Tag legten sie und ihre Mitarbeiter den Weltgarten mit Pflanzen aus verschiedenen Regionen der Erde an. Idee, Begleitmaterial und Konzept überzeugten die Besucher: Unter anderem erhielten die Organisatoren eine Einladung nach Israel und auch indonesische Fachleute signalisierten Interesse. Informationsmaterialien zum Weltgarten sind mittlerweile, auch als Ergebnis der Workshops, auf Arabisch und Französisch erschienen.
"Es war viel Arbeit, aber die Atmosphäre war toll und der Workshop hat uns sehr motiviert", so Birgit Eschenlohr. Unter anderem entstand durch die Gespräche die Idee, das BUND-Klimamusical, ebenfalls ein deutsches Dekade-Projekt, in weitere Sprachen zu übersetzen.

"Schule müßte immer so sein"

"Der Workshop entwickelte mit einer Zukunftswerkstatt auf kreative Weise neue Ideen und konkrete Projekte für den respektvollen Umgang miteinander im Schulalltag", berichtete auch Renate Grothaus, Lehrerin an der Emilie-Heyermann-Realschule, über die Ergebnisse der Veranstaltung an ihrer Schule. Hier diskutierten Schüler und internationale Gäste darüber, wie Bildung zum Thema Globale Verantwortung aussehen kann. Davon waren nicht nur die Lehrer begeistert. "Schule müßte immer so sein!", sagte eine der Schülerinnen anschließend.

BildanfangWorkshop zur WaldpädagogikWorkshop zur Waldpädagogik © EberthBildende

Interkulturelle Erfahrungen

Zu den Erfahrungen miteinander zählten auch solche, die kulturelle, soziale und klimatische Unterschiede zwischen den Herkunftsländern der Teilnehmer widerspiegeln. Ein Beispiel aus dem Workshop im botanischen Garten Bonn: "Teilnehmer aus subtropischen Ländern schmunzelten nach dem Motto ,Ihr mit eurem kalten Klima müßt unsere Pflanzen im Wärmehäuschen hegen und pflegen", berichtet Christine Merkel von der Deutschen UNESCO-Kommission. Gäste aus arabischen Staaten waren begeistert von der Arbeit der Waldpädagogen des Deutschen Jagdschutzverbandes, aber ebenso vom Wald an sich. "Für Teilnehmer aus Mali, Nigeria oder Kamerun war es frappierend zu erfahren, dass sich deutsche Schüler mit der Frage beschäftigen können, wie wir Wasser in den natürlichen Kreislauf zurückgeben können, während in anderen Weltregionen Wasser eine Überlebensfrage ist", berichtet Winfried Sander, Lehrer am Erich-Klausener-Gymnasium Adenau. Er stellte ein Projekt zu Bachpatenschaften vor.

Die Workshop-Gastgeber

Workshop-Gastgeber waren außerdem das Bundesamt für Naturschutz mit einem Workshop zur Biologischen Vielfalt im Botanischen Garten der Universität Bonn, InWEnt, die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) zum Thema globale Gerechtigkeit und das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz mit dem Mess- und Untersuchungsschiff MS "Burgund". Der Deutsche Akademische Austauschdienst beteiligte sich unter Mitwirkung von 100 Alumni, die Sommerschulen zu Themen der BNE besucht hatten, das Bundesinstitut für Berufsbildung diskutierte mit den Konferenzteilnehmern ein vom BMBF gefördertes Modellprojekt zu Nachhaltigkeit in der Chemieausbildung. Weitere Projektworkshops fanden zu den Themen Wald, Wasser, Multimedia und frühkindlicher Bildung sowie an zwei Bonner Schulen und im Umweltbildungszentrum NaturGut Ophoven statt.

Mehr Informationen zu den einzelnen Workshops

Kontakte zu den Workshop-Organisatoren (S.103ff)
(PDF, 3.1 MB)


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