BNE-Journal: China: Wasserschulen bringen Licht ins trübe Wasser des Yangtse

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China: Wasserschulen bringen Licht ins trübe Wasser des Yangtse

Von Gong Yidong

BildanfangSchüler am Fluss© WaterschoolBildende

Die Wasserschulen am Yangtse und seinen Nebenflüssen bringen Schülern Umweltschutz nahe und wecken Bewusstsein für die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Das chinesische Bildungsministerium, die UNESCO und das österreichische Unternehmen Svarovski sind Partner des Programms.

Der Yangtse ist der größte Fluss Chinas und drittlängster Strom der Welt, Lebensader für Millionen von Menschen. In den 80er Jahren war er "so klar, dass man bis auf den Grund sehen konnte”, erinnert sich Zeng Wenjun, ein Mann in den Vierzigern. "Den Süßwasser-Fisch Qingbo gab es nur im Yangtse Er schmeckte unvergleichlich gut – heute ist er ausgestorben." Zeng wohnt in Piankou in der Provinz Sichuan. Der Yangtse-Nebenfluss Baicao versorgt die 6600 Einwohner des Ortes mit Trinkwasser. Der zwölfjährige Sun lebt ebenfalls hier und sorgt sich um den Fluss. Übel riechende Müllberge säumen den Strom über eine Strecke von zehn Kilometern: stapelweise Polyschaum, Pappbecher, Essensreste, medizinische Kanülen und Röhrchen sowie Plastiktüten. Abwässer aus privaten Goldminen sowie der Abbau von Sandstein tragen ein Übriges zur Verschmutzung des Flusses bei. Wasserkraftanlagen schießen an seinen Ufern wie Pilze aus dem Boden und bergen weitere ökologische Risiken, die die Lebensgrundlagen der Anrainer bedrohen.

Ein Umweltproblem riesigen Ausmaßes

Mehr als 1.000 Städte und Gemeinden liegen wie Piankou am Oberlauf des Yangtse. "Alle leiten ihr Abwasser in die zahlreiche Nebenflüsse und verursachen ein Umweltproblem riesigen Ausmaßes", so Fu Zhiping, Professor für Ökologie an der Mianyang Normal University in Sichuan. Die Verschmutzung bedroht die Wirtschaft des Landes – und seine Bürger. 40 Prozent des chinesischen Getreides und ein Drittel der Baumwolle wachsen nur dank des Yangtse und seiner Nebenflüsse. 48 Prozent der Süßwasserfische des Landes stammen aus dem Flussnetz, das 40 Prozent der industriellen Produktion Chinas ermöglicht. Gleichzeitig  muss es 60 Prozent der landesweit anfallenden Abwässer auffangen. Studien der Nicht-Regierungsorganisation Shangri-la Institute for Sustainable Communities (SISC) zeigen: Aus dem Yangtse-Flussnetz fließen weltweit die meisten die Abwässer in den Pazifik.

Wasserschulen erreichen mehr als 50.000 Schüler

Im Frühling 2008 nahm der 12-jährige Sun an der "Wasserschule für einen lebendigen Yangtse" ("Water School for a Living Yangtse")  teil. Die Initiative ist Teil des im Rahmen des International Water School Program. Neben dem Yangtse arbeitet das Programm am Nil in Ägypten und am Ganges in Indien. In China leitet das SISC das Programm, Partner sind das Bildungsministerium und die UNESCO. Mehr als 50.000 Schüler aus 27 Mittel- und Grundschulen in Sichuan und den Nachbarprovinzen Qinghai und Yunnan haben bereits mitgemacht, außerdem Schüler aus Shanghai, wo der Yangtse in das Ostchinesische Meer mündet.

BildanfangUnterrichtsmaterial der Wasserschule???Großansicht des Bildes???Unterrichtsmaterial der Wasserschule © WaterschoolBildende

Schüler untersuchen Verschmutzung

Angeleitet von ihrem Lehrer Tang Ming begannen Sun und seine Mitschüler an der Piankou Central Primary School die Wasserqualität zu überwachen Mit Messzylindern und Indikatorpapier untersuchten sie Wasserproben. Das vorläufige Testergebnis: Der PH-Wert im Unterlauf des Baicao-Flusses lag bei 5,8 und die Trübung hatte Stufe IV erreicht − ein Hinweis darauf, dass das Wasser bereits in alarmierendem Ausmaß verunreinigt war.
Auf der Grundlage weiterer Untersuchungen schrieben Sun und seine Klassenkameraden einen Brief an lokale Behörden. Sie schlugen vor, die 15 entlang der beiden Hauptstraßen aufgestellten Mülltonnen nach wissenschaftlichen Grundsätzen anzuordnen und ein Abfallentsorgungssystem zu etablieren. Zu ihrer großen Überraschung befürwortete die Stadtregierung ihren Vorschlag; gegenwärtig ist außerdem im Gespräch, eine biologische Kläranlage zu bauen. Darüber hinaus verteilten die Schüler Fragebögen in den Gemeinden von Piankou. Dabei stellte sich heraus, dass 89 Prozent der Befragten meinten, gegen die Flussverschmutzung müsse etwas unternommen werden.

Plattform für wirksamen Umweltschutz

"Das Projekt bietet eine Plattform für wirksamen Umweltschutz rund um die verschiedenen Arme des Yangtse-Flusses. Gleichzeitig zeigt es exemplarisch auf, wie man sich von einem prüfungszentrierten Bildungssystem wegbewegen kann", erklärt Fu, der bereits auf vierzehn Jahre Erfahrung im Bereich der Umweltbildung zurückblickt. Die Yangtse-Wasserschulen sind inzwischen über die Grenzen der Schulen hinausgewachsen und knüpfen nun auch an örtliche soziale, ökonomische und kulturelle Besonderheiten an. So werden die Lamas des Dongzhulin-Tempels in der tibetischen Provinz Yunnan dazu angeregt, den Schutz des Wassers mit in ihre religiösen Lehren mit einzubeziehen –  ihr Glaube  betont die Verbindung von Mensch und Natur ohnehin sehr stark.
"Der Wert des Projektes liegt in seinem integrativen Ansatz: Dieser sieht vor, die Menschen und Gemeinden mit einzubeziehen. Wir ermutigen zum 'Lernen durch Handeln', um darauf hinzuwirken, dass sich Denkweisen und Verhalten fühl- und greifbar ändern. Wir hoffen, dass dieser Wandel die Politik der Regierung so beeinflusst, dass die breite Öffentlichkeit am Umweltschutz beteiligt wird", so der Koordinator des Programms.

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