BNE-Journal: Tuvalu: Klein ist wunderschön

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Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Tuvalu: Klein ist wunderschön

Von Fanny Héros

BildanfangStraße auf TuvaluStraße auf Tuvalu © Christopher HornerBildende

"Small is beautiful" (Klein ist wunderschön) heißt ein Projekt zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung auf Tuvalu. Es zeigt, dass Menschen mit einfachen Mitteln etwas gegen den Klimawandel tun können. Die Einwohner von Tuvalu fangen schon mal an und hoffen, dass der Rest der Welt es ihnen gleichtut. Denn ihre Heimat droht zu versinken.

Kleine Inselstaaten sind die ersten, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen. Aber die letzten, die mit ihrem CO2-Ausstoß dazu beitragen. Ein Beispiel dafür ist Tuvalu. Dem Inselstaat, ein 26 Quadratkilometer großer Archipel im Südpazifik mit 11.000 Einwohnern, droht in etwa fünfzig Jahren der Untergang aufgrund des Meeresspiegelanstiegs. Doch bevor das geschieht, richten die Einwohner von Tuvalu eine klare Botschaft an den Rest der Welt: Investiert jetzt in saubere und erneuerbare Energien!

Tuvalu als Modellregion nachhaltiger Entwicklung

Die Tuvaluaner gehen mit gutem Beispiel voran. Die gemeinnützige Organisation Alofa Tuvalu koordiniert seit 2005 das Projekt "Small is beautiful". Die Initiatorin des Projekts, Gilliane Le Gallic, hatte sich bereits als Produzentin des Dokumentarfilms "Trouble in Paradise" ausgiebig mit der Zwangslage Tuvalus befasst. Durch das Projekt soll Tuvalu langfristig unabhängig vom Öl werden. Denn Tuvalu leidet mehr als andere Staaten unter hohen Öl-Preisen: Tuvalu importiert Öl und weitere Güter aus dem rund 2.000 Kilometer entfernten Australien. Außerdem scheint es nur konsequent, auf einen Rohstoff zu verzichten, durch dessen weltweite Nutzung Tuvalu erst in diese prekäre Situation gekommen ist. Der Plan ist nun, Tuvalu in eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung zu verwandeln.

BildanfangWorkshop für InselbewohnerWorkshop für Inselbewohner © alofatuvaluBildende

Schwerpunkt: Einsatz von Biokraftstoffen

Der Schwerpunkt des Projekts "Small is beautiful" liegt darauf, der Bevölkerung zu zeigen, wie sie Energie durch Biomasse erzeugen können. In einem Ausbildungszentrum für nachhaltige Entwicklung erfahren die Einwohner von Tuvalu, wie sie Biogas-Anlagen und andere Prozesse nutzen können, um ihren CO2-Ausstoß zu senken. Fachleute bilden in mehrwöchigen Kursen einheimische Ingenieure, Techniker und Lehrer aus. Sie vermitteln ihr Wissen dann an interessierte Bürger Tuvalus und helfen. Zum Start 2007 lernten rund 200 Tuvaluaner in achtwöchigen Kursen, wie sie Biogas-Anlagen bauen und instand halten. Die Organisatoren suchten gezielt die kleinsten und kostengünstigen Modelle auf dem Markt aus. So entstanden danach zahlreiche kleinere Biogas-Anlagen. Alofa Tuvalu unterstützt die Seminarteilnehmer auch beim Betrieb und der Wartung. 2008 und 2009 folgten Seminare zur Biodiesel-Herstellung und weitere öffentliche Workshops. Außerdem entstanden Radio-Serien, die die Einwohner des Archipels über Maßnahmen zum Klimaschutz  informierten.

Projekt als Teil der Gesellschaft akzeptiert

Bis jetzt hat das Programm bereits rund 100 Experten und Multiplikatoren erreicht, über 600 Bürger nahmen an öffentlichen Workshops teil. Hinzu kommen die Hörer der Radio-Serie. Indirekt profitieren noch weit mehr Menschen: Die ausgebildeten Multiplikatoren kehren in ihre Dorfgemeinschaften zurück und geben ihr neues Wissen weiter, um es im Dorfalltag umzusetzen. In diesem Jahr importiert die Organisation Solarkocher und stellt sie Frauengruppen vor. Außerdem laufen Gespräche mit der Schulverwaltung, um das Thema erneuerbare Energien in die Lehrpläne zu integreren. Unser größter Erfolg ist es, dass uns die Bürger von Tuvalu akzeptieren und uns zu sehr vielen Themen um Rat fragen. Wir sind Teil der Gesellschaft geworden.

Anfragen aus aller Welt

Aus anderen Staaten bekommen wir viele Anfragen zu den Methoden und Technologien, die unsere Organisation auf Tuvalu vorstellt. Unter anderem gab es schon Interesse aus Madagaskar, dem Senegal, Marokko und den Fidschi-Inseln.Trotz des großen Andrangs sehen sich die Organisatoren des Projekts mit Problemen konfrontiert. Zum Beispiel die Finanzierung: Dem Staat fehlen Einnahmen aus dem Tourismus. Deshalb ist er auf die Unterstützung anderer Organisationen und Länder angewiesen. Bislang fördern das Projekt französische Einrichtungen wie der Fonds Pacific und die Botschaft in Fiji.  Weitere Mittel stellt das PIGGAREP-Programm zur Verfügung, eine Initiative der Vereinten Nationen zur CO2-Reduktion in zehn Pazifik-Inseln, zu denen Tuvalu zählt.

Die Zeit läuft

Doch hauptsächlich sorgen sich die Einwohner von Tuvalu um das Verhalten der Menschen im Rest der Welt. So wirkungsvoll der vorbildhafte Einsatz von erneuerbaren Energien im zweitkleinsten Land der Erde auch sein mag, die Bevölkerung ist darauf angewiesen, dass die großen Industriestaaten ihrem Beispiel folgen. "Small is beautiful" zeigt, dass es möglich ist. Wir alle sind Tuvalu. Und die Zeit läuft!

www.alofatuvalu.tv

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