Kenia: der Chanuka-Express
Von Yvonne Otieno und Susan Scrull-Carvalho
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© Jacaranda DesignsBildende
In der Sprache Swahili bedeutet das Wort "Chanuka" soviel wie "Gib dir einen Ruck!" und auch "Selbstentfaltung durch Wissen". Aus einem rollenden Klassenzimmer heraus bringt der Chanuka-Express seine Botschaft zu jungen Menschen in Kenia. Der Slogan lautet: "Maisha Yetu, Dunia Yetu - Unser Leben − Unsere Welt", das Leitmotiv: "Lernen für nachhaltiges Leben."
Macher des Programms ist die Firma Jacaranda Designs. Sie gibt eine Bildungszeitung heraus, den "Young African Express". Mit Unterstützung der UNESCO und privatwirtschaftlicher Unternehmen wie Tetra Pak und Shell haben die Organisatoren den Chanuka-Express ins Leben gerufen. Ein Bus rollt übers Land und bringt das kompetenzfördernde Lern- und Motivationsprogramm in einkommensschwache Regionen. Es erreicht Teenager in Grundschulen und Gemeinden.
Ein Tag an Bord des Chanuka-Express
Am Morgen besteigen die Chanuka-"Facilitators", ein geschultes und motiviertes Team junger, erwachsener Freiwilliger, zumeist Universitätsstudenten,den Chanuka-Express. Der Bus rollt los zum Einsatzort des Tages. Im Gepäck haben sie Lehrmittel, Requisiten und Künstlermaterial. Vor Ort trifft das Team eine Gruppe von Teenagern aus Schulen und Jugendclubs. Die Mädchen und Jungen hat das Team zuvor gezielt ausgewählt. Auch Lehrer und andere Mitglieder der Gemeinde sind dabei. Los geht es mit einem kurzen Puppenspiel oder Theaterstück. Es bindet die Zuschauer mit ein und führt sie an gemeinderelevante Themen heran. Anschließend bilden die jungen Menschen vier Chanuka-Teams: "Frieden und Sicherheit", "Gesundheit", "Wasser und Siedlungshygiene" sowie "Umwelt". Aufgeteilt in Kleingruppen nehmen die jungen Menschen engagiert an Spielen, Vorführungen, Entdeckungsstunden, Rollenspielen und Diskussionen teil, um lokale Probleme sowie Lösungen herauszuarbeiten. Der Tag endet mit der Präsentation der erarbeiteten Kernthemen und mit dem Handlungsplan für den jeweils nächsten Tag einer jeden Gruppe.
Jugendliche Club-Leiter sind die Schlüsselfiguren
Die Teilnehmer bilden später als Chanuka-Clubleiter das Rückgrat der lokalen Arbeit. Sie sind kaum älter als ihre Schützlinge, stammen aus demselben lokalen und sozialen Umfeld. Die Clubleiter kennen die Probleme ihrer Altergenossen aus eigener Erfahrung: mangelnde Sicherheit, Gesundheit, Hygiene, Wasserversorgung, sanitäre Infrastruktur sowie die Umweltzerstörung. Der Alltag der Jugendlichen ist oft hart und geprägt von Armut, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Mit Unterstützung des Chanuka-Express sollen die Jugendlichen erkennen: Ich kann mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten Perspektiven für mich und andere schaffen. Von ihnen hängt nachhaltige Entwicklung in unserem Land ab: von jungen Menschen, mit produktivem, schöpferischem Wissen, praktischen Fertigkeiten und einem positiven Wesen.
Chanuka-Clubs arbeiten selbstständig
Der Chanuka-Express fährt jeden Ort nur zwei bis drei Mal jährlich an. In der Zeit zwischen diesen Besuchen bilden die bereits geschulten jungen Leute und Lehrer Chanuka-Clubs mit Teams in den Bereichen "Gesundheit", "Wasser und Siedlungshygiene", "Sicherheit und Frieden" sowie "Umwelt". Die Teams rekrutieren Mitstreiter, indem sie die Botschaften formulieren und weitergeben. So motivieren sie andere dazu, mitzumachen und sich für wichtige Themen zu engagieren. Sie zeichnen sowohl ihre Pläne als auch Hindernisse und Erfolge in Notizbüchern auf. Mit Hilfe der Berichte bewerten die Chanuka-Mitarbeitern bei ihren nächsten Besuchen dann die Fortschritte und geben Tipps bei Problemen.
Eine Erfolgsgeschichte
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Mitglieder des Chanuka-Clubs der Evangel Primary School in Baba Dogo, Nairobi, stellten fest, dass die Fehlzeiten der Schüler sehr hoch waren. Die Club-Mitglieder fanden heraus, dass viele Schüler wegen Magenschmerzen nicht zum Unterricht kamen. Als Ursache machten sie Wurminfektionen aus, die durch mangelnde Hygiene ausgelöst wurden. Die Club-Mitglieder fanden eine Lösung: Sie schärften bei Schülern und Lehrern das Bewusstsein für das Thema und starteten eine Entwurmungsaktion in der Schule. Sie informierten über Ursachen und Gefahren der Wurminfektion und diskutierten mit ihren Schulkameraden. Um die Tabletten für die Entwurmung kaufen zu können, erbaten sie von jedem Mitglied ihrer Schulgemeinschaft eine Projektspende in Höhe von 20 Kenia-Shilling. Ihre Eltern waren so beeindruckt von dem Vorhaben, dass sie noch mehr Geld für das Projekt zur Verfügung stellten, und so konnte der Club binnen kurzer Zeit Entwurmungstabletten für alle Schüler und Lehrer kaufen.
Die Botschaft: Auf uns kommt es an
Die Botschaft, die der Chanuka-Express jungen Menschen nahebringt, lautet: Tue immer das Richtige, denn wir können etwas verändern − es kommt auf uns an! Junge Menschen erkennen, dass es um ihr Leben, um ihre Welt geht, und sie lernen, wie sie nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch zum Wohle künftiger Generationen acht- und sorgsam mit ihr umgehen können.
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