Globale Vision und Wertorientierung für die Bildung
Dr. Stefan Luther © BMBFBildende
Von MinDirig Dr. Stefan Luther
Die Verabschiedung der Bonner Erklärung im Abschlussplenum war der Höhepunkt der UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der UNESCO und in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission vom 31. März bis 2. April 2009 in Bonn veranstaltete.
Über 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Weltregionen haben durch ihre Mitwirkung an der Konferenz zu der Erklärung beigetragen, die auf der Grundlage der Diskussionen in Plenumssitzungen und den 22 Workshops erstellt wurde. Auch wurden Ergebnisse von Vortreffen zu der Weltkonferenz unter anderem in Bordeaux, Göteborg, Nairobi und Tokio in das Dokument einbezogen. Für die Erstellung des Textes zeichnete ein Redaktionskomitee verantwortlich, das aus Vertretern der UNESCO-Mitgliedstaaten und Experten, die vor allem aus der Zivilgesellschaft kamen, bestand. Alle Weltregionen waren darin vertreten.
Bonner Erklärung: zentrales Referenzdokument
Als im Konsens angenommene Abschlusserklärung der Halbzeitkonferenz für die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ist die Bonner Erklärung das zentrale Referenzdokument für die Umsetzung der zweiten Hälfte der Dekade. Die Erklärung stellt das Potenzial der Bildung für nachhaltige Entwicklung für ein "neues Lernen" heraus und weist mit Nachdruck darauf hin, eine am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung orientierte Bildung angesichts der globalen Herausforderungen flächendeckend umzusetzen: "Durch Bildung und lebenslanges Lernen können wir Lebensstile erreichen, die auf wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit beruhen, auf Nahrungsmittelsicherheit, ökologischer Integrität, dauerhaft gesicherten Lebensgrundlagen, auf Respekt für alle Lebensformen und auf starken Werten, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, Demokratie und kollektives Handeln fördern."
Leitlinien für die weitere Umsetzung der UN-Dekade
Ebenso nachdrücklich gibt die Bonner Erklärung in einem Aktionsplan Leitlinien für die weitere Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" vor, insbesondere für die UNESCO und ihre Mitgliedstaaten, aber auch für zivilgesellschaftliche Organisationen und die Privatwirtschaft. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, Bildung für nachhaltige Entwicklung als zentrales Element von Bildungsqualität voranzutreiben, ausreichend finanzielle Mittel bereitzustellen sowie mit Hilfe einer sektorübergreifenden Strategie Nachhaltigkeitsanliegen in Bildung und Ausbildung zu verankern. Die UNESCO solle, so heißt es in der Erklärung, ihre koordinierende Rolle für die Dekade auszubauen, die Integration der Nachhaltigkeitsbildung in andere internationale Foren sicherzustellen, sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung als wichtiges Element der Bekämpfung des Klimawandels herauszustellen.
Gemeinsames Programm für Nord und Süd
Besonders gelungen ist aus meiner Sicht etwas, was auch ein wichtiges Anliegen der Konferenz insgesamt war: das Formulieren eines gemeinsamen Programms für Nord und Süd, für Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer. Das Leitbild von Bildung für nachhaltige Entwicklung ist, wie die Erklärung deutlich macht, für alle Länder gleichermaßen relevant. Bildung, die Werte, Kompetenzen und Kenntnisse vermittelt, die für die Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft erforderlich sind, bietet für alle Länder das Potenzial, ihre Gesellschaften langfristig zukunftsfähig zu machen. Der Austausch zwischen Nord und Süd auf der Konferenz fand auf Augenhöhe statt, was die große Unterstützung für die Abschlusserklärung wesentlich beförderte. Hierzu gehört auch, dass die Akteure in Bonn stärker als bisher das große UNESCO-Programms zur Sicherung der Grundbildung für alle ("Education for All") und die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zusammenführten. Zugang zu Bildung ist eine Voraussetzung für gesellschaftliche Entwicklung; doch nur wenn Bildungszugang auch Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung bedeutet, wird Bildung den Herausforderungen einer ökonomisch, ökologisch und sozial ausgeglichenen Entwicklung gerecht.
Beitrag zu qualitativ hochwertiger Bildung
Ein weiterer wesentlicher Punkt der Erklärung liegt aus meiner Sicht darin, dass in Bonn deutlich wurde, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung einen wichtigen Beitrag für die qualitative Weiterentwicklung von Bildung leisten kann. Einerseits tut sie das in dem Sinne, dass sie für das Leben der Lernenden unmittelbar relevante Inhalte bereitstellt und diese mit entsprechend innovativen Methoden vermittelt. Bildung für nachhaltige Entwicklung macht Bildung andererseits in dem Sinne besser, dass sie eine Wertorientierung bereitstellt. Die globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, bringen zum Vorschein, dass Kategorien wie die Übernahme von Verantwortung, Gerechtigkeit und reflektiertes Handeln heute wichtiger sind denn je. Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt grundlegende Werte des menschlichen Zusammenlebens. Nicht zuletzt bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues zu versuchen.
193 UNESCO-Mitgliedsstaaten stimmen Bonner Erklärung zu
Die Reaktionen auf die Bonner Konferenz und auf ihr Abschlussdokument waren und sind sehr positiv. Gleich im Anschluss an die Konferenz diente die Bonner Erklärung dem UNESCO-Sekretariat als Grundlage für die Erstellung einer Strategie für die zweite Halbzeit der UN-Dekade. Auf ihrer 35. Generalversammlung im Oktober 2009 haben die 193 UNESCO-Mitgliedstaaten die Bonner Erklärung im Konsens indossiert. Die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in ihrer zweiten Hälfte wurde mit der Bonner Konferenz und ihrer Abschlusserklärung geschaffen. Allen, die durch ihr aktives Mittun zum Erfolg dieser wichtigen Konferenz beigetragen haben, danke ich hierfür sehr herzlich. Zugleich wünsche ich allen Beteiligten viel Erfolg für die zweite Halbzeit der Dekade.
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