Führungskompetenz für Nachhaltigkeit
Von Anita Augustin, Inga Schlamann und Joachim Frederik Tipp
Studierende sind die Führungskräfte von Morgen. Um sie möglichst frühzeitig für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und um sie mit den dafür nötigen Erfahrungen und Fähigkeiten Bildanfang
???Großansicht des Bildes???Die Teilnehmenden des Pilotzyklus 2008 mit dem Schirmherrn Prof. Dr. Klaus
Töpfer © Verena JaekelBildendesowie dem dazugehörigen Know-How auszustatten, gibt es das Programm "Young Leaders for Sustainability (YLS)". Das Programm kooperiert mit Unternehmen in Deutschland und Europa, die sich für nachhaltiges Wirtschaften einsetzen. "Young Leaders for Sustainability" wird vom ASA-Programm der InWEnt gGmbH und dem Collective Leadership Institute e. V. gemeinsam durchgeführt und bietet den Studierenden mehrere Seminare sowie zwei dreimonatige Praxisphasen - eine bei einem Unternehmen in Deutschland und eine bei einer Partnerorganisation in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Das Programm wurde 2008 gestartet - jetzt berichten die ersten AbsolventInnen von Ihren Erfahrungen und tragen ihr Wissen weiter.
Die Kaffeekrise
Beispielsweise beschäftigten sich vier Teilnehmende mit dem Thema "Nachhaltigkeit im Kaffeesektor". Längst ist die braune Bohne ein Produkt zwischen zwei Welten. Bildanfang
Anita Augustin testet die Kaffeequalität bei CEPICAFE in Piura, Peru © Anita AugustinBildendeIm Berliner Bezirk Prenzlauer Berg trinkt man heute nicht mehr Kaffee, sondern "Toffee Nut Latte" oder "Frappuccino" - am besten to go. Dieser Vermarktung als Lifestyle- Produkt in den Konsumentenländern steht die Situation der produzierenden Kleinbauern gegenüber. Dort ist die Kaffeebohne immer noch das, was sie schon immer war: Eine lebenswichtige Einnahmequelle. Allerdings befindet sich der Kaffeesektor seit dem Jahr einer Phase struktureller Veränderungen. Auslöser der Kaffeekrise zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Liberalisierung des Kaffeemarktes. Diese führte dazu, dass Preise und Qualität von Rohkaffee drastisch sanken. Zeitgleich veränderte sich die Nachfragestruktur in den Konsumentenländern. Nischenprodukte wie fair gehandelter Kaffee drängten auf den Markt, wodurch sich große Röstereien einer wachsenden Konkurrenz gegenüber sahen. Einige Röstereien begannen, sich für einen nachhaltigen Produktionsprozess von Kaffee einzusetzen. Verschiedene Siegel wie beispielsweise "Rainforest Alliance" dienen dabei als wichtige Instrumente, um indirekt Einfluss auf die Produktionsweise zu nehmen.
Nachhaltiger Kaffeeanbau in Tansania
Markus Weidner, einer der ersten YLS-Teilnehmer beschäftigte sich mit dieser komplexen Problematik. Seine erste Praxisphase absolvierte er bei der Tchibo GmbH, seine zweite Praxisphase im Süden Tansanias. Dort unterstützte er für drei Monate die Arbeit des Projekts „help for self-help“ der Bildanfang
Eva Ringhof lernt in der Baumschule © Anita AugustinBildendeInternational Coffee Partners. Das Projekt hilft in den Distrikten Mbeya rural und Mbozi Kleinbauern und ihren Familien unter anderem dabei, sich in Produktionsgruppen zu organisieren und den Anbau des Kaffees nachhaltiger zu gestalten. Der Beitrag von Markus Weidner diente vor allem dazu, die Vermarktung des Rohkaffees durch die Kaffeefarmer zu stärken, beispielsweise durch Zertifizierung.
Klimafreundliche Kaffeeproduktion in Peru
Anita Augustin und Eva Ringhof, ebenfalls Teilnehmende des YLS-Pilotzyklus, setzten sich mit Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Kleinbauern im Kaffeesektor auseinander. Nach ihrer ersten Praxisphase bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Cafédirect reisten sie zur Produzentenorganisation CEPICAFE in Piura im Norden Perus. „Bei uns im Projekt waren die Kaffeekleinbauern schon auf eine fair trade-Produktion umgestiegen. Nun ging es eher darum, wie der zusätzliche Gewinn sinnvoll für die Gemeinde oder die Kleinbauern angelegt werden konnte. Gleichzeitig standen Schutzmaßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels weit oben auf der Agenda. So wurde von CEPICAFE die Option favorisiert, zunächst auf den Kaffeeparzellen und in der Umgebung aufzuforsten, innerhalb der Kaffeeproduktion den CO²-Ausstoß zu minimieren und gleichzeitig wirksam gegen Erosion oder Erdrutsche anzugehen. Die beiden Frauen entwickelten ein Trainingsmodul, mit Hilfe dessen Kleinbauern über die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels sowie Erfolg versprechende Handlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden können. Sie unterstützten somit die Kaffeeproduzenten darin, Klimarisiken einschätzen zu lernen und besser mit ihnen umzugehen.
Kaffeeproduzenten in Zentralamerika – das schwächste Glied der Lieferkette
Der YLS-Teilnehmende Joachim Frederik Tipp führte nach seiner Praxisphase bei E.D.E. Consulting in Hamburg eine betriebswirtschaftliche Analyse in Zentralamerika durch. Diese zielte darauf ab, die Einkommenseffekte der Kleinbauern zu messen, die bei der Umstellung von Bildanfang
Eva Ringhof und Anita Augustin interviewen peruanische Kleinbauern zu den
Auswirkungen des Klimawandels im Kaffeesektor © Anita AugustinBildendekonventioneller auf nachhaltige Kaffeeproduktion auftreten. Alle drei beschriebenen Projekte setzen bei den Kaffeeproduzenten an - dem schwächsten Glied der Kaffeelieferkette. Joachim Frederik Tipp fasst zusammen: "Obwohl die Projekte in verschiedenen Anbaugebieten der Welt durchgeführt wurden, weisen zahlreiche Kleinbauernanbausysteme ähnliche Probleme auf. Sie bewirtschaften wenig Fläche und sind sehr arbeitsintensiv, wodurch sich steigende Kosten des Faktors Arbeit schnell bemerkbar machen. Technischer Fortschritt ist gering und Skaleneffekte können nicht ausgeschöpft werden. Außerdem verfügen sie über wenig Kapital, was es erschwert, notwendige Investitionen zu tätigen und unvorhergesehene Schocks - beispielsweise hervorgerufen durch den Klimawandel - auszugleichen."
Ergebnisse - Workshop zum Thema "Nachhaltigkeit im Kaffeesektor"
Alle vier Teilnehmenden von "Young Leaders for Sustainability" konnten mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement einen Teil zur Diskussion verschiedener Lösungsansätze im Kaffeesektor beitragen. Die Erlebnisse und das Know-How haben sie beruflich und persönlich weiter gebracht. Als künftige Verantwortungsträger in unserer Gesellschaft werden sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben. Beispielsweise bieten sie am 1. April 2009 einen Workshop zum Thema "Nachhaltigkeit im Kaffeesektor" an. Der Workshop findet während der UNESCO Halbzeitkonferenz Education for Sustainable Development bei InWEnt in Bonn statt.
Weitere Auskünfte dazu erteilt Ihnen gerne Andrea Dorneich vom ASA-Programm (andrea.dorneich@inwent.org; Tel. 030-25482-352).
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