Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum (FluR)
Von Britta Apelt und Günter Terhalle
Ein Netzwerk als zentrale Anlaufstelle
Mit der Gründung des Vereins Netzwerk "Fließgewässer im urbanen Raum" (FluR) hat die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. im März 2008 ein einjähriges Kooperationsprojekt mit der Stadt Osnabrück, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), abgeschlossen. Der neue Verein Netzwerk FluR ist zunächst bei der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N. als Anlaufstelle für Kommunen, bürgerschaftliche Initiativen und Aktive zum Thema Revitalisierung städtisch geprägter Gewässer angesiedelt. Das Netzwerk FluR gibt Kommunen und Initiativen vor Ort praktische Hilfestellungen bei Revitalisierungsprojekten und fördert die Bildung für nachhaltige Entwicklung zu diesem Thema. Hierzu werden vor allem bestehende Erfahrungen für Interessierte nutzbar gemacht. Durch enge Querverbindungen von Experten, Fach- und kommunalen Spitzenverbänden leistet das Netzwerk FluR mit fachübergreifender Kompetenz unbürokratische Unterstützung bei der Revitalisierung von Fließgewässern im urbanen Raum und damit auch mittelbar einen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie.
Viele gute Beispiele
Als zentralen Knotenpunkt stellt das Netzwerk FluR unter www.netzwerk-flur.de eine Internet-Seite zur Verfügung. Sie ist das virtuelle Eingangstor zum Netzwerk und eröffnet gleichzeitig den strukturierten Zugang zu guten Beispielen von Gewässerrevitalisierung im urbanen Raum. Mittlerweile sind über 60 beispielhafte Vorhaben aus dem gesamten Bun¬desgebiet in Form von Gewässersteckbriefen dokumentiert. Diese sind nach thematischen Schwerpunkten abgelegt, was eine gezielte Suche nach Inhalten wie Gewässerökologie, Hochwasserschutz oder Beteiligungsverfahren ermöglicht. Weitere Beispiele sind willkommen!
Netzwerktagung
Im Rahmen des Kooperationsprojektes fand zudem im Februar eine Netzwerktagung statt, bei der rund 130 Teilnehmer aus Kommunen, Vereinen, Wissenschaft und Praxis unterschiedlicher Fachrichtungen den Umgang mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie, klimatisch bedingten Hochwässern und der Lebensader Fluss in der Stadtgestaltung diskutierten. Interessierte aus ganz Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden tauschten Erfahrungen aus, wie sich Bürger für ihre Gewässer begeistern lassen und Kinder und Jugendliche diese als Lernort nutzen können. So wurde, neben den qualifizierten Beiträgen der Referenten und der hohen Dichte des Informationsgehalts, besonders der fachübergreifende Austausch hervorgehoben. Diese positive Resonanz zeigt den hohen Stellenwert des Themas Fließgewässer im urbanen Raum und die Notwendigkeit für ein solches Netzwerk. Das betonte auch Norbert Portz, der Grußworte des Deutschen Städte- und Gemeindebundes an das Netzwerk richtete und ausdrücklich die Unterstützung seines kommunalen Spitzenverbandes für das Netzwerk erklärte. Ein attraktiver Info-Markt mit vielen Ausstellungsbeiträgen von Revitalisierungen und Konzepten rund um Fließgewässer, wie das „Blaue Metropolnetz Hamburg“ oder die europäische Jugendumweltbildungsinitiative "free your river" bereicherte die Veranstaltung zusätzlich. Darüber hinaus führte die kreative Atmosphäre zu zahlreichen Impulsen für das Netzwerk und konkretisierte den Bedarf für künftige Aktivitäten. So ist eine Zusammenstellung von Methoden und Instrumenten in einer „Werkzeugkiste“ als praxisnahe Hilfestellung gewünscht. Ein wichtiger Arbeitsauftrag für den Verein ist die gezielte Auswertung von Bei¬spielvorhaben, um insbesondere Erfolgsfaktoren aber auch Hemmnisse zu identifizieren und übertragbar für andere Vorhaben aufzubereiten. Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kontext urbaner Fließgewässer bildet dabei einen Schwerpunkt. Denn für eine Partizipation an fließgewässerbezogener Stadtgestaltung spielen die formelle und die informelle BNE eine besondere Rolle.
Evaluation urbaner Fließgewässerprojekte
Das Netzwerk FluR hat die Anstöße der Tagung genutzt: Ab Herbst 2008 ist das Netzwerk FluR als Kooperationspartner in einem Projekt der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N. vertreten, bei dem der Fundus an Projekten und Erfahrungen evaluiert wird. Diese Auswertung soll zu konkreten Handlungsempfehlungen und Checklisten für Fließgewässerprojekte führen – insbesondere für den urbanen Bereich – und damit einen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung und Gestaltung zukünftiger Vorhaben leisten. Gefördert wird dieses Vorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
BNE im Netzwerk
Für die Integration von BNE in das Themenfeld Revitalisierung von Fließgewässern im urbanen Raum ist noch viel Handlungsbedarf zu vermuten. Dabei lassen sich gerade im urbanen Raum mit den typischen divergierenden Ansprüchen und Nutzungen an Fließgewässern alle Dimensionen des Nachhaltigkeitskonzeptes pädagogisch besonders gut bearbeiten (s. auch den Beitrag von Gerhard Becker in diesem Journal).
Im Kontext der Evaluation von Beispielvorhaben urbaner Gewässerrevitalisierung durch das Netzwerk FluR sollen deshalb auch pädagogische Fließgewässer-Projekte ermittelt werden, die im Hinblick auf BNE beispielgebend sind. Auch diese sind anschließend hinsichtlich ihrer Gelingensbedingungen und Hemmnisse zu untersuchen. Langfristig gilt als übergeordnetes Ziel, die pädagogischen Projekte untereinander und mit wasserwirtschaftli¬chen/stadtplanerischen Tätigkeiten über Netzwerke zu verbinden, um so BNE im Themenfeld „urbane Fließgewässer“ fest zu etablieren, dauerhafte Strukturen zu schaffen und das Spektrum der Netzwerkknoten und akteure von FluR zu verbreitern.
Für diese Aufgabe setzt sich insbesondere der Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e. V. als Mitglied von FluR ein. Der Verein verfügt mit der Koordinierungsstelle für das "Osnabrücker Schulnetzwerk für eine Lebendige Hase" schon über einige pädagogische Erfahrungen. Das Schulnetzwerk könnte ein Ausgangspunkt unter anderen für die skizzierte überregionale Vernetzung werden. Zurzeit ist der Verein auf der Suche nach geeigneten Projekten und Partnern, die sich zum Thema BNE und urbane Fließgewässer einbringen können.
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