Netzwerk Osnabrücker Schulen für eine Lebendige Hase
Von Wiltrud Betzler-Schellin
Lebendige Gewässer mitten in einer großen Stadt? Ist das überhaupt denkbar oder gar machbar? Flüsse entwickelten sich im urbanen Raum immer mehr weg von ihrer ursprünglichen, lebenswichtigen Funktion für das Entstehen von Siedlungen und Städten zu Abwasserkanälen aller Art. Die ehemalige Lebensgrundlage einer Stadt wurde teilweise ganz zum Verschwinden gebracht, weg saniert um Raum für Häuser, Parkplätze und Ähnliches zu schaffen. Die Planer, die Politiker aber ebenso die Bevölkerung hatte keinen Bezug mehr zu diesen ihren Flüssen, da es sich ja um Entwicklungen über mehrere Generationen handelte und immer schon eine Gewöhnung an den vorhandenen Zustand vorlag, wenn der Fluss erneut noch naturferner umgestaltet wurde.
Seit ungefähr 20 Jahren gibt es nun ein Umdenken: die urbanen Gewässer werden wieder als wichtige Fließgewässer wahr genommen, die Bausünden der Vergangenheit in mühseligen kleinen Schritten wieder bereinigt, teilweise rückgängig gemacht, als Orte der Naherholung ebenso wie für Events oder Gastronomie im Freien neu gestaltet. Weitere Aspekte dieser Neubewertung der Fließgewässer in der Stadt sind das konsequentere Vermeiden von Einleitungen in die Flüsse, die Renaturierung mit dem Ausbau von Fischtreppen, etc. Die Wassergüte der Fließgewässern ist seither deutlich angestiegen, die Flora und Fauna hat sich wieder stabilisiert, so dass heute urbane Gewässer wieder die Wassergüte 2 nach den Rahmenrichtlinien der EU vorweisen können. Eine gute Wasserqualität in einem Katalog mit 5 Abstufungen!
Wichtig bei diesen schwierigen und langfristig angelegten Prozessen ist die Teilnahme der Bevölkerung und noch wichtiger ist das Heranführen der Kinder und Jugendlichen, der nächsten Generation, an diese neue Aufgaben und Sichtweisen. Hier muss angesetzt werden, denn nur wenn die Kinder und Jugendlichen die Flüsse kennen, gar lieb gewinnen und sie diese als Lebensadern der Städte zu schützen bereit sind, kann eine dauerhafte Änderung im Sinne einer nachhaltigen Nutzung entstehen.
So auch in Osnabrück: Mit der Lebendigen Hase verfolgt die Stadt Osnabrück ein langfristiges Entwicklungsvorhaben, mit dem die Hase, der Osnabrücker Stadtfluss schrittweise als natürlicher, geschichtlicher und städtebaulicher Raum wieder belebt und damit für die Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger, sowie die Osnabrücker Schulen zu einem wichtigen Bezugspunkt des Lebens in der Stadt wird, auch als Freizeit- und Erlebnisraum.
Zu diesem Zweck wurde das Netzwerk Osnabrücker Schulen für eine Lebendige Hase ins Leben gerufen. Es ist seitdem ein wichtiger Bereich des städtischen Gesamtvorhabens zur Revitalisierung der Hase. Trägerin ist die Stadt Osnabrück, Fachbereich Umwelt, in Kooperation mit dem Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e.V. und dem Arbeitskreis Umweltbildung der Lokalen Agenda 21 in Osnabrück. Ein Netzwerk ist entstanden, in dem Osnabrücker Schulen mit unterschiedlichen Institutionen kooperieren.
Im Schulnetzwerk können schul- und fächerübergreifend die vielfältigen Aspekte des Osnabrücker Stadtflusses, der Hase, anschaulich bearbeitet werden. Dazu gehören u.a. Ökologie, Wasserwirtschaft, Stadtgeschichte, Kultur und Freizeit. Mit diesem komplexen Ansatz wird die Orientierung der Umweltbildung am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung gesichert (s. Aufsatz Becker in dieser Ausgabe).
Die Koordinierungsstelle des Schulnetzwerkes versteht sich als zentrale Anlaufstelle zur Unterstützung pädagogischer Aktivitäten an den Osnabrücker Fließgewässern. Sie bietet regelmäßig Lehrerfortbildungsveranstaltungen an, berät bei pädagogischen Projekten und vermittelt Kontakte. Außerdem unterrichtet sie regelmäßig die Öffentlichkeit über alle Aktivitäten – in der Presse und auf der Website. Das Schulnetzwerk pflegt Kontakte und sucht Kooperationen zu allen Partnern, die mit den Osnabrücker Gewässern befasst sind: Vereine und Verbände, Behörden, Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Es bringt somit die unterschiedlichen Akteure im Bildungsbereich zusammen.
Ein langfristig angelegtes Projekt des Schulnetzwerkes sind die „Bachpatenschaften für eine Lebendige Hase“ - ein Modell praktischer Umweltbildung. Hier spiegelt sich der städtische Anspruch einer verbesserten ökologischen Qualität und einer verstärkt positiven Wahrnehmung der Osnabrücker Fließgewässer im aktivem Tun der Schulen wieder. Es wird das gesamte Osnabrücker Gewässersystem in den Blick genommen und der pädagogischen Bearbeitung zugänglich gemacht.
Bachpaten können Schulen, Vereine und andere Organisationen werden, die es sich zunächst zur Aufgabe machen, einen festgelegten Bereich der Hase oder eines ihrer Zuflüsse regelmäßig zu besuchen und zu beobachten. Einmal im Jahr kommt zu jedem Bachpaten der „Grashüpfer“ – das rollende Umweltlabor des Osnabrücker Umweltbildungszentrums. Gemeinsam werden dann physikalische, chemische und biologische Daten erfasst. Diese werden über die Landesgrenzen Niedersachsens hinaus im Flussnetzwerk Nordrhein-Westfalen www.flussnetzwerke.nrw.de gespeichert und damit einer Vergleichbarkeit über eine große Fläche hinweg ermöglicht. Die weiteren Aktivitäten der Bachpaten richten sich ganz nach dem individuellen Engagement und den vorhandenen Möglichkeiten.
Da das Modell bereits mit über 10 Schulen im ersten Jahr gestartet ist, lässt es sich hoffentlich im Laufe der Zeit so weit ausweiten, dass das ganze Hase-Gewässersystem innerhalb Osnabrücks mit Bachpaten versorgt wird.
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