Gewässerlandschaften der Zukunft gemeinsam entwickeln
Von Dr. Joachim Bley
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Eine Biologin der Wasserwirtschaftsverwaltung hat ein Defizit bei der Besiedlung der Mikroorganismen im Gewässer festgestellt. Schnell wird die oberhalb liegende Kläranlage als Verursacher vermutet und die Gemeinde als Betreiber wird verpflichtet, die Kläranlage, die eigentlich bereits heute gute Ablaufwerte zeigt, mit viel Geld weiter auszubauen. Der Rückschluss zwischen dem Defizit und dem obenliegenden Einleiter war naheliegend.
Mit dem Inkrafttreten der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) werden umfassendere Ansätze beim Gewässerschutz vorgegeben. Ziel ist es nun, ökologisch funktionsfähige Gewässersysteme zu schaffen. Die WRRL schreibt deshalb zum einen eine einzugsgebietsweite Betrachtung aller Belastungen und eine differenziertere Untersuchung der Gewässer vor. Es wird nicht mehr nur das Makrozoobenthos (wirbellose Tiere) betrachtet, sondern anhand der Fische, der Wasserpflanzen (Makrophyten) und der Algen (Phytoplankton) wird die biologische Gewässergüte bestimmt. Dazu kommt eine Betrachtung der chemischen Gewässergüte und der Gewässerstruktur (Hydromorphologie). Anhand dieser umfassenden Analyse werden Gewässer identifiziert, die Defizite bezüglich der Gewässerqualität haben. Es findet ein Wechsel von der Beurteilung der Wasserqualität hin zur umfassenden Gewässerqualität statt. Die Wasserwirtschaftsverwaltung allein kann diese Aufgaben nicht leisten. Sie ist sowohl auf die Kenntnisse der Bevölkerung als auch auf die Akzeptanz der Maßnahmen angewiesen.
Wie können die neuen Beurteilungsansätze im Zusammenhang mit der Bewusstseinsbildung zum allgemeinen Gewässerschutz vermittelt werden? In Baden-Württemberg wurde dazu mit einem modularen Ansatz ein Fortbildungskonzept entwickelt, das zielgruppenorientiert für Kindergärten, über Schulen und Universitäten, Erwachsene/Familien, die Verwaltung bis hin zu spezifischen Nutzern angewandt werden kann.
Am Beispiel der vorgezogenen aktiven Öffentlichkeitsbeteiligung zur WRRL soll nachfolgend dieses Konzept dargestellt werden:
Für die "schlechten" Abschnitte in Gewässern müssen Maßnahmen identifiziert werden, mit denen letztendlich der gute Zustand in den Gewässern erreicht werden kann. Wie erreicht man die breite Öffentlichkeit mit diesen Themen?
- Baden-Württemberg hat auf der Ebene der Gewässereinzugsgebiete, bei der jeder Besucher sich mit seinem Gewässerabschnitt identifizieren konnte, zu einer aktiven Beteiligung aller interessierten Stellen eingeladen. Diese Veranstaltungen haben sich stets in drei Phasen unterteilt, zu Beginn eine Informationsphase, dann eine aktive Phase, bei der die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, ihre Kenntnisse und Vorschläge in bestehende Karten direkt einzutragen und zum Schluss eine Phase des Resümees.
- Auf dieser Ebene der Öffentlichkeitsbeteiligung sollen möglichst viele Menschen zu einer aktiven Mitarbeit an der Formulierung konkreter Maßnahmen für die Verbesserung des Gewässerzustands motiviert werden. Deshalb ist die Einladung breit zu streuen, von betroffenen Kommunen und Verwaltungen, über Regional- und Naturschutzverbände, sonstige Nutzer bis hin zur breiten Öffentlichkeit. Für eine solche Veranstaltung sollte sowohl die Zeit als auch die Örtlichkeit genauestens geplant und gewählt werden. Es sollte eine Zeit gewählt werden, die auch den im Beruf stehenden Menschen die Möglichkeit gibt an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, also frühestens ab 17.00 Uhr. Der Ort sollte so gewählt sein, dass er für alle gut erreichbar ist und sich möglichst in einem kommunalen Gebäude befindet. Er muss gut ausgeschildert sein und sollte eine gute Präsentation von Informationsmaterialien ermöglichen. Dazu gehören Karten, wenn vorhanden Luftbilder als auch den Einsatz moderner Informationstechnologie.
- Im einführenden Vortrag führen verständliche Leitindikatoren auf die Problematik hin und es werden Lösungsansätze angesprochen. Dabei eignen sich v.a. Fische als verständliche Indikatoren. Am Rhein wurde z.B. die Wiederansiedlung des Lachses mit Erfolg als Symbol für die Verbesserung des Gewässerzustands gewählt. Desweiteren ist deutlich zu machen, dass die Verwaltung bereits gewisse Kenntnisse und Vorstellungen hat, aber die Menschen vor Ort zum Teil näher an der aktuellen Entwicklung der Situation beteiligt sind und deshalb sowohl Anregungen als auch konstruktive Kritik einbringen können. Andererseits ist aber auch zu verdeutlichen, dass alle angeregten Maßnahmen kritisch ausgewertet werden und nicht jeder Vorschlag sich im Maßnahmenprogramm wiederfinden wird. Darüber hinaus unterliegen die berücksichtigten Maßnahmen im Weiteren den offiziellen Anhörungsverfahren und den gesetzlichen Genehmigungsverfahren.
- Die umfassende Betrachtung der Gewässerqualität umfasst die Biologie, die Chemie und vor allem die Hydromorphologie. Dieser übergreifende Ansatz muss sich auch in Fortbildungsmaterialien widerspiegeln. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten und die Suche nach ausgewogenen Lösungen unter Abwägung der Interessen aller Gewässerschützer und -nutzer, treten in der Praxis in den Vordergrund. Wenn sich unter diesen Prämissen ökologisch und ökonomisch sinnvolle Lösungen für unsere Gewässer finden lassen, profitieren alle davon.
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