KulturLand Schelphof – Zukunft will Vielfalt
Jugendliche entdecken die Vielfalt der Getreidearten im KulturLand Schelphof. © Naturpädagogisches Zentrum Schelphof e.V.Bildende
Das Naturpädagogische Zentrum Schelphof e. V. ist ein außerschulischer Lernort an einem privat wirtschaftenden Biolandbetrieb in Bielefeld. Das dort initiierte Bildungsprojekt KulturLand Schelphof rund um die Landwirtschaft wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert.
Das Projekt will Menschen mit einer nachhaltigen Landwirtschaft in Berührung bringen und komplexe Zusammenhänge transparent machen. Im Focus stehen Fragen wie: Was heißt Kulturlandschaft? Wie ist sie entstanden? Wie und warum verändert sie sich? Welche Rolle spielt der Mensch dabei und welche Verantwortung trägt er?
Mit rund zwanzig Kooperationsgruppen aus den Bereichen Schule, Studium, Jugendarbeit, Naturschutz und interessierten Bürgern entstand innerhalb von zwei Jahren als "sichtbares" Ergebnis des Bildungsprozesses der Erlebnispfad Land[wirt]schaft. Er beinhaltet interaktive Stationen zu sechs verschiedenen Themenfeldern, z. B. Landwirtschaft als Produzent unserer Grundnahrungsmittel, als Partner für Nachhaltigkeit und als Produzent biologischer Vielfalt weltweit, die die Ergebnisse in Szene oder in Kontrast setzen. Eine Broschüre, ein Rundführer, ein Infopavillon und die Homepage bieten weitere Information für den Besucher.
In einem weiteren Bildungsschritt entstand für den Erlebnispfad Land[wirt]schaft die interaktive Exkursion Zukunft will Vielfalt, die von Aktion Mensch/diegesellschafter.de gefördert und im Rahmen der Biodiversitätskampagne der ANU NRW vorgestellt wird.
Ob für Kinder oder Erwachsene, im Mittelpunkt steht die (nicht mehr) vorhandene biologische Vielfalt vor Ort und ihr Zusammenwirken mit der globalen Situation. Die Teilnehmer werden als Verbraucher und Nutzer einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft angesprochen und für ihre Bedeutung als Lebensgrundlage und Lebensqualität sensibilisiert. Interaktive Bausteine zu den Themen Boden, Wildkräuter, Getreide oder Kartoffel transportieren die Inhalte.
Am Beispiel der Kartoffel können die Teilnehmer die Bedrohung der Kartoffelsortenvielfalt nachvollziehen, denn wer kennt schon Sorten wie mehlige Mühlviertler oder Blaue Schweden. Die Konzentration der Saatgutkonzerne auf ökonomische Zuchtziele (Größe, Stärkegehalt, gute industrielle Verarbeitbarkeit) berücksichtigen regionale Spezialitäten (vor allem Geschmack) nicht mehr. Durch gezieltes Einkaufen und Verarbeiten von regionalen Sorten, wie Bamberger Hörnle oder Linda, gibt man diesen auf dem Markt eine Chance. Eine zweite Gefährdung der Sortenvielfalt liegt in der Bedrohung der ursprünglichen Wuchsgebiete der Kartoffeln. Wildarten stellen für die Kartoffelzüchtung wichtige Reservoire dar. Durch Einkreuzungen versucht man z. B. krankheitsresistente Sorten zu gewinnen. Die weltweite Vernichtung von solchen Lebensräumen bedroht die Arten vor Ort aber auch unsere Lebensgrundlagen.
Transparenz über globale Verflechtungen und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuum sowie Wissenstransfair zu Möglichkeiten des regionalen Schutzes der Vielfalt sollen helfen, Zukunftsfähigkeit zu diskutieren und Verantwortung zu übernehmen. Denn wer möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die sich vorausschauend mit dem Thema einer nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt beschäftigt?
Springen Sie direkt: zur Hauptnavigation, zum Seitenanfang



