BNE-Journal: Heterogenität als Chance - Bildung mit digitalen Medien

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BNE-Journal

Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Heterogenität als Chance - Bildung mit digitalen Medien

Von Dirk Frank

BildanfangDirk Frank © Schulen ans Netz e. V.Bildende

Deutschland ist heute, das würde wohl keiner mehr ernsthaft bestreiten wollen, ein Einwanderungsland. Die Förderung von Menschen mit einem Migrationshintergrund ist vor diesem Hintergrund zu einem wichtigen bildungspolitischen Thema avanciert. Erst kürzlich schrieb UNO-Sonderberichterstatter Muňoz dem deutschen Bildungssystem ins Stammbuch, dass es auf diesem Gebiet nicht genug unternehme. In kaum einem OECD-Land, so die Kritik, erhalten Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte so wenig Unterstützung seitens der Bildungsinstitutionen. Diese Einschätzung wird von diversen PISA- und OECD-Studien sowie nationalen Bildungsberichten bestätigt. Da Homogenität von Lerngruppen lange Zeit oberste Priorität besaß, wurden Unterschiede in Sachen Leistungsfähigkeit, Emotionalität, soziale Fähigkeiten, Alter, Geschlecht, Herkunft und Schichtzugehörigkeit im Bildungssystem nicht ausreichend berücksichtigt. Trotz vieler bildungspolitischer und pädagogischer Bemühungen, Lehrende für den Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Auszubildenden mit einem Migrationshintergrund entsprechend zu qualifizieren, bleibt das 'normale' Lehramtsstudium davon unberührt.

BildanfangKinder an Computern in der Schule???Großansicht des Bildes???Kinder an Computern in der Schule © Schulen ans Netz e. V.Bildende

Die größten Defizite des deutschen Bildungssystems, seit PISA wohl allgemein bekannt, liegen also darin, dass soziale Unterschiede zementiert werden. Überproportional viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund besuchen eine Haupt- oder Förderschule, auch die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss ist signifikant hoch. Die insgesamt schlechte Bildungsbilanz bei dieser Schülergruppe ist vor allem auf die unzureichenden Sprachkompetenzen zurückzuführen. Man schätzt, dass insgesamt nur ca. ein Drittel der Kinder nicht oder nur bedingt die Unterrichtssprache mit in die Schule bringen. Sprachförderung bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass sowohl ausreichende Kompetenzen in der Unterrichts- und Verkehrssprache Deutsch vermittelt werden als auch die vorhandenen Kenntnisse in der jeweiligen Erstsprache berücksichtigt werden.

BildanfangKinder lesen und schreiben im Klassenzimmer???Großansicht des Bildes???Kinder lesen und schreiben im Klassenzimmer © Schulen ans Netz e. V.Bildende

Fördern und unterstützen mit digitalen Medien
Damit alle Mitglieder der Gesellschaft an der Wissens- und Informationsgesellschaft partizipieren können, bedarf es einer ausreichenden Medienkompetenz, um der Gefahr einer Digitalen Spaltung vorzubeugen. Nicht nur die Handhabung von Computer und Internet, sondern auch ihre kritische Hinterfragung sollte eingeübt werden. Digitale Medien können aber auch eine wichtige Funktion einnehmen bei der Förderung von Sprach- und Schreibkompetenz. Die Bedeutung, die den Medien im Integrationsprozess zukommt, wurde durch die Arbeitsgruppe "Medien - Vielfalt nutzen" im Nationalen Integrationsplan unterstrichen. Der Verein Schulen ans Netz setzt mit seinen Projekten auf den Gebieten der Förderung von Sprach- und Medienkompetenz, aber auch des Interkulturellen Lernens mit digitalen Medien Akzente. Das Anliegen des Vereins dabei ist, die Potenziale der digitalen Medien für eine moderne Lehr-Lernkultur zu nutzen:

  • Bildungsbenachteiligte Jugendliche (nicht nur) mit Migrationshintergrund nutzen die Online-Lernumgebung LIFT, um mit Angeboten zu lebensweltbezogenen Themen ihre Sprachkompetenz und ihre Medienkompetenz zu verbessern. Gefördert werden auch interkulturelle Kompetenz und selbständiges Lernen. Schulen und Einrichtungen der außerschulischen Bildung können mit der LIFT-Plattform arbeiten.

  • Das Internetportal Lehrer-Online hat mit "Integration – Zusammen leben" ein Dossier zu Fragen des Zusammenlebens und des gemeinsamen Lernens verschiedener Menschen eröffnet. Die Anregungen und -materialien für einen internetbasierten Unterricht helfen Lehrerinnen und Lehrern, das Thema Migration in den Unterricht zu bringen. Sie möchten aber auch dazu beitragen, eventuell bestehenden und durch Migrationshintergründe bedingten sprachlichen oder integrativen Schwierigkeiten entgegenzuwirken.

  • Mit europäischen Schulpartnerschaften, die über das Internet geknüpft werden, fördert eTwinning interkulturelles Lernen über Grenzen hinweg. Mittels einer einfach zu bedienenden Internetplattform tauschen sich zwei oder mehrere Partnerklassen über ein gemeinsames Unterrichtsthema aus. Jede Partnerschaft nutzt einen eigenen geschützten "virtuellen Klassenraum". Dort können Lehrer und Schüler z. B. per E-Mail, Chat und Dateiaustausch zusammenarbeiten. So lassen sich Fremdsprachenerwerb, Medieneinsatz und interkultureller Dialog lebendig miteinander verbinden.

  • Die Online-Community LizzyNet gibt Mädchen einen Platz im World Wide Web, damit sie aktiv am Geschehen im Internet partizipieren können. In den Foren und Chats kommen Themen wie Migration, Diskriminierung und Rassismus zur Sprache. Informationen zu Migration und Integration veröffentlicht LizzyNet in Rubriken wie Politik & Leben.

  • BIBER baut ein Informations- und Qualifizierungsangebot für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten auf, um Medienkompetenz und Medienerziehung in der pädagogischen Praxis weiterzuentwickeln. Interkulturalität ist in Kindertagesstätten Alltag. Die sprachförderlichen Potenziale der Medienarbeit in Kindertagesstätten können (nicht nur) bei Kindern mit nichtdeutscher Erstsprache Hemmschwellen abbauen und das Sprachverständnis positiv beeinflussen.

Weitere Projekte zur Berufsorientierung und -vorbereitung, die in hohem Maße die Aspekte Migration und Interkulturalität berücksichtigen, sind in Vorbereitung.

www.lift-web.de
www.lehrer-online.de
www.etwinning.de
www.lizzynet.de
www.bildung-beratung-erziehung.de


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