Das Euro-Mediterrane Jugendparlament – Kulturelle Vielfalt in der Praxis
Von Michaela Abdelhamid
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Wie sind Einheit und Vielfalt in einer globalisierten Welt vereinbar? Die Vielfalt des menschlichen Wesens spiegelt sich in unterschiedlichsten individuellen und kulturellen Ausdrucksformen. Verständigung auf interpersoneller wie zwischenstaatlicher Ebene ist nur über kommunikative Verständigungsprozesse zu erreichen. Die Bereitschaft, den Standpunkt des Anderen anzuhören und das Wissen über kulturelle, historische und soziale Hintergründe sind dafür die Voraussetzung. Bildung ist der Schlüssel zu dieser Fähigkeit differenzierten Denkens und Handelns.
Vielfalt, Dialog, Solidarität. Unter diesem Motto stand das erste Euro-Mediterrane Jugendparlament, das das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut und die Heinz-Schwarzkopf-Stiftung zusammen mit der Europäischen Kommission und der Anna-Lindh-Stiftung für den Dialog zwischen den Kulturen anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft veranstalteten. Vom 10. bis 15. März 2007 fand in Alexandria/Ägypten eine erste Konferenz statt, die auf das Jugendparlament vorbereitete, das in Berlin vom 26. Mai bis 3. Juni stattfand.
100 junge Erwachsene aus 38 Ländern diskutierten globale Zukunftsfragen und suchten nach Wegen der Verständigung. Ein Versuch mit hohem Anspruch, der in der Planung, Durchführung und Koordination deutlich zeigt, wie schwierig und notwendig der Weg zu gegenseitiger Verständigung und Interessenkoordination ist. 100 unterschiedliche Biografien, Persönlichkeiten, Erwartungen und Visionen trafen zusammen, international akademisch ausgebildet, gesellschaftspolitisch engagiert, mehrsprachig, alle im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, in einer ähnlichen Lebensphase und am Anfang ihres beruflichen Lebens. Sie stammen aus allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aus der Türkei, Ägypten, Algerien, Israel, Jordanien, dem Libanon, Marokko, Mauretanien, den Palästinensischen Autonomiegebieten, Syrien und Tunesien.
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???Großansicht des Bildes???Teilnehmer des EMYP mit dem Generalsekretär des Goethe-Instituts Hans-Georg
Knopp und Günter Gloser, Staatsminister für Europa im Abgeordnetenhaus Berlin © Tapio SchreyBildende
Ein Feldversuch. Über kulturelle und staatliche Grenzen hinweg diskutierten die Teilnehmer die Themen Arbeit, Energie, Europa, Globalisierung, Kultur und Künste, Medien Migration, Korruption, Jugend und Politik sowie gegenseitige Wahrnehmung. Der Umgang miteinander, angemessene Formen des viel beschworenen "interkulturellen Dialogs" und das Aushalten unterschiedlicher Positionen bildeten die Grundlage des Treffens. Dafür wurde ein das gesamte Programm begleitender Mediator eingesetzt, der Organisatoren, Beobachtern, Moderatoren und Teilnehmern zur Verfügung stand. So trafen sich Menschen, die ähnliche Interessen und Bedürfnisse teilen und sich sehr schnell aufeinander einstellten: es wurde geredet, gefragt, getanzt, gestaunt und gelacht.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden in Resolutionen zusammengefasst und in der Generalversammlung im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet. Der Zugang zu Bildung und Information wird in allen Resolutionen deutlich als Basis für ökologische Verantwortung, wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit herausgestellt. Die Resolution zum Thema Arbeit fokussiert die Bedeutung des Lebenslangen Lernens und der Balance von Fortschritt und sozialer Gerechtigkeit. Die Resolution zu Kultur und Bildung hebt die Bedeutung der Wahrung kultureller Vielfalt und den Bedarf interkultureller Bildungsmaßnahmen hervor. Für Entwicklung, Kooperation, Wirtschaft und Soziales werden Bildungsangebote für eine verbesserte Integration und Akzeptanz von Migranten und die Institutionalisierung euromediterraner Arbeitsgremien zur nachhaltigen Entwicklung gefordert. Die Förderung erneuerbarer Energien wird zwar als zentral für den nachhaltigen Ressourcenschutz erachtet, allerdings wird auf den Vorrang dringenderer sozialer und wirtschaftlicher Probleme im mediterranen Raum hingewiesen. Als ein zentrales Zukunftsthema wurde die Resolution der Arbeitsgruppe "Jugend" in der Generalversammlung verabschiedet. Sie fordert eine stärkere Beteiligung und Vernetzung von Jugendinitiativen, um insbesondere durch Bildungs- und Austauschprogramme die Wissenslücken bezüglich kultureller, historischer, religiöser und sozialer Hintergründe zu schließen. Die Ausbildung interkultureller und zwischenmenschlicher Kompetenzen ist ein viel versprechender Weg, Vorurteile abzubauen und kulturelle Vielfalt als Herausforderung annehmen zu lernen.
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???Großansicht des Bildes???Teilnehmer des Euro-Mediterranen Jugendparlaments © Tapio SchreyBildende
Der aktive Aufbau und die Pflege eines stabilen Netzwerks von Teilnehmern und lokalen Jugendinitiativen sowie die Unterstützung bei der Entwicklung von Nachfolgeprojekten stellen die nachhaltige Wirkung des Projekts sicher. Für 2008 planen Teilnehmer bereits Projekte in ihren Heimatländern: ein Zeichen für das starke Engagement der Teilnehmer und eine ermutigende Perspektive für nachhaltige Zusammenarbeit und Entwicklung im euromediterranen Raum. Bildung und Dialog – in einer globalen Welt der Weg zur Harmonisierung unterschiedlicher Werte und Interessen.
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